Karl Fuchs zur Erinnerung von den dankbaren Nachfahren
Karl Fuchs zur Erinnerung von den dankbaren Nachfahren
Der 11. Dezember 1996 ist zum denkwürdigen deutschen Fest auf dem Boden Tatarstans geworden. Zwei bedeutsame historische Ereignisse vollzogen sich an diesem Tage – die Einweihung des Denkmals für den berühmten deutschen Kulturträger Karl Fuchs in der nach ihm benannten Grünanlage am Ufer der Kasanka und die feierliche Rückgabe des alten Gebäudes der lutherischen Kirche an die deutsche lutherische Gemeinde von Kasan.
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Karl Fuchs stammt von einem alten Pastorenhaus ab. Einige Generationen seiner Familie lebten in der Grafschaft Nassau-Dillenburg. Er wurde am 18. September 1776 in der Nassauer Stadt Hernborn geboren. Sein Vater, Friedrich Fuchs, geb. am 15. 11. 1739 in Breitstadt, gest. am 20. 06. 1832 in Herborn, bekleidete das Amt eines Professors für Geschichte und Redekunst an der Hernborner Akademie und bewohnte die Amtswohnung im Hernborner Schloss. Karl Fuchs hatte Glück, im Milieu einer Gelehrtenfamilie von bescheidenem Wohlstand aufzuwachsen. Es ist anzunehmen, dass Karl Fuchs die Grundlagen seiner Ausbildung von seinem Vater erhalten hat. Es ist unbekannt, um welche Zeit Karl Fuchs sich für das Studium der Medizin entschieden und was ihn dazu bewogen hat. Vielleicht wurde seine Entscheidung von dem Grossvater mütterlicherseits, Johann Adam Hoffmann (1707-1782), dem Professor der Medizin an der Hernborner Akademie und dem Anleger des Botanischen Gartens in Herborn beeinflusst.
Bis 1783 studierte Karl Fuchs an der Hernborner Akademie, dann setzte er sein Studium der Medizin an der Göttingener Universität, einer der in vieler Hinsicht besten Universität in dem damaligen deutschsprachigen Raum fort. Nachdem er die Medizinfakultät absolviert hatte, ging er nach Marburg am Lahn, wo er am 13. 10. 1798 zum Doktor promovierte. Seine Dissertation wurde den Problemen der Pflanzensystematisierung gewidmet. Die kurze, bis zu unseren Tagen erhaltengebliebene, Rezension bewertet sie als einen würdigen Beitrag zur Geschichte der Literatur über die Heilpflanzenkunde.
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1800 übersiedelt Karl Fuchs nach Russland und dient einige Zeit als Regimentsarzt in Sankt-Petersburg. In seiner zweiten Heimat wird er Karl Fjodorowitsch genannt, und unter diesem neu erworbenen Vatersnamen ging er in die russische Geschichte ein und so blieb er im Gedächtnis der dankbaren Russen erhalten. Anfang 1800 bereist Karl Fuchs Russland zu seinen naturwissenschaftlichen, zum Teil auch botanischen Zwecken. 1804 wird Karl Fuchs zum Arzt an der Botschaft des Grafen Golowkin in China ernannt. Anfang Juli 1805 kommt er mit den Mitarbeitern der Botschaft auf der Durchreise nach dem Orient in Kasan an. Dabei erfährt er von der unbesetzten Stelle am Lehrstuhl für Naturgeschichte an der hiesigen Universität und reicht einen Ernennungsantrag für diesen Lehrstuhl ein. Und am 4. September 1805 wird Karl Fuchs auf Empfehlung von M. N. Murawjow, seinem Freund, dem Minister für Volksbildung und dem Kurator des Moskauer Lehrbezirkes zum Professor für Naturgeschichte und Botanik an der eben eröffneten Kasaner Universität ernannt. Im Dezember 1805 kommt Karl Fuchs in Kasan an, um hier seine letzten 40 Lebensjahre zu verbringen und eine unauslöschliche Spur in der Geschichte dieser Stadt zu hinterlassen.
Die ersten zwölf Jahre seiner Tätigkeit an der Kasaner Universität war Fuchs Ordinarius der Naturgeschichte und Botanik; am 11. Januar 1818 wurde er an den Lehrstuhl für Therapie, Geschichte und Klinik versetzt; vom 17. April 1820 bis zum 13. Juli 1823 war er Dekan der ärztlichen Abteilung, und vom 13. Juli 1823 bis zum 25. August 1827 bekleidete er das Amt des Rektors der Universität. 1827-1828 unterrichtete Karl Fuchs Zoologie, und danach ausschliesslich medizinische Fächer. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit und der Lehrtätigkeit erfüllte er auch die Pflichten des Universitätsbibliothekars.
Seit den ersten Tagen seiner Tätigkeit an der Kasaner Universität übernahm Karl Fuchs auch die Leitung der laut Universitätssatzung vom 5. November 1804 gegründeten Lehrkabinette für Naturgeschichte und für Mineralogie; er ist ihr erster Leiter. Selbst nach seinem Übergang zum Lehrstuhl für Pathologie, Therapie und Klinik blieb er Leiter des Lehrkabinetts für Naturgeschichte. Und bereits im Frühling 1806, d.h. von Anbeginn seiner Tätigkeit an der Universität anlegt er den ersten botanischen Garten der Kasaner Universität an.
Karl Fuchs, der fünfte Rektor der Kasaner Universität, wurde zum zweiten Rektor deutscher Abstammung nach dem Österreicher I. O. Braun, der im Januar 1819 auf seinem Arbeitsplatz als Rektor gestorben war. Gerade in den Jahren seiner Rektorschaft wurde das Hauptgebäude der Universität mit der berühmten Aula und der Kirche errichtet; es wurden auch das Labor für Chemie und das Lehrkabinett für Physik eingerichtet, es wurde ein neuer Botanischer Garten am Ufer des Kabansees angelegt und vom zukünftigen hervorragenden Mathematiker N. I. Lobatschewski wurde ein Vortrag über dessen geschichtliche Bedeutung gehalten. Karl Fuchs als Rektor der Kasaner Universität war der erste in einer Reihe von hervorragenden Wissenschaftlern als Rektoren wie der obenerwähnte Mathematiker N. Lobatschewsky (der sechste Rektor), der Astronom I. M. Simonow (der siebente Rektor), der Mongolei- und Tibetforscher O. M. Kowalewski (der achte Rektor), der Chemiker A. M. Butlerow (der neunte Rektor).
Sie alle würden jeder Universität große Ehre machen. Und an diesem Namensfirmament leuchtet auch das grelle Licht des Namens von Karl Fuchs. Mehr als das, all diese Rektoren und anschliessend die Mehrheit der Universitätskorporation, gestützt auf die von Karl Fuchs aus Deutschland mitgebrachte Tradition, bahnten hartnäckig und Schritt für Schritt einen Weg zur Unabhängigkeit der Kasaner Universität unter den Bedingungen des Obskurantismus, der Reaktion und der Willkür der hohen Beamten.
Am 6. Mai 1833 wird Karl Fuchs der Titel eines verdienten Professors zuerkannt. Am ersten Juli 1833 verlässt er seinen Universitätsdienst. Selbstverständlich ist Karl Fuchs im Gedächtnis der Zeitgenossen und der Nachkommen nicht nur als Universitätsprofessor erhaltengeblieben. Sein Talent war erstaunlich vielseitig, und sein Herz war voll von Gutmütigkeit. Selbst die kürzeste Übersicht seines Lebenswerkes lässt uns Karl Fuchs als einen der beliebtesten Bürger von Kasan, als einen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Arzt, als einen der ersten und besten Heimatkundler vom Wolga-Kama Gebiet, als reisenden Wissenschaftler, Forschungsreisenden, als Naturforscher und Sprachwissenschaftler, als Anthropologen, Numismatiker, als Archäologen und Ethnographen, als Historiker, Journalisten und Schriftsteller und als einen sehr liebenswürdigen Menschen, der 46 Jahre seines erstaunlich wirksamen und liebevollen Lebens seinem „zweiten Vaterland“ wie Karl Fuchs selbst sagte, gewidmet hat, sehr lebhaft vorstellen.
Noch 1806 wurde Karl Fuchs auf Empfehlung des Inspektors der staatlichen Studenten I. F. Jakowkin zum Arzt am Gymnasiumskrankenhaus ernannt. Aber als die beste Zeit seiner ärztlichen Praxis in der Stadt und im Kasaner Gebiet gilt die 20-jährige Zeitspanne von 1810 bis 1830. Zu den für Karl Fuchs schwierigsten Jahren wurden die Jahre 1812, 1813, und teilweise das Jahr 1814, denn die Stadt wurde wegen des Zuflusses von Umsiedlern während des russisch-französischen Krieges von vielen Krankheiten heimgesucht. Beinahe wäre er Opfer des Typhus geworden. Im Sommer 1831 bekämpfte er auf Bitte des Innenministers Russlands A. A. Sakrewski als Leiter einer Expedition von Medizinstudenten die Choleraepidemie in Nishni Nowgorod.
Die Tätigkeit von Karl Fuchs entsprach den höchsten Anforderungen der ärztlichen Ethik. Niemand konnte ihm seine „Palme des Sieges“ in der Behandlung von inneren Krankheiten streitig machen, so einer seiner Zeitgenossen. Schon frühmorgens war sein Sprechzimmer voll von Patienten. Der Professor schenkte die gleiche Aufmerksamheit sowohl den reichen, als auch den armen Kranken. Karl Fuchs schrieb Rezepte für eine Sonderapotheke aus, wo die armen Patienten ihre von Fuchs selbst bezahlten Arzneien kostenfrei erhielten. Von weit her kamen die Vertreter verschiedener Völkerschaften an der Wolga (Tataren, Tschuwaschen, Udmurten, Marier, Mordwine) und versuchten, in die Sprechstunde von Karl Fuchs zu gelangen, denn sie wußten vom Hörensagen davon, dass der gutmütige Deutsche jeden Kranken aufmerksam untersuchte. Nach der Ankunft in Kasan lernte er nicht nur Russisch, sondern auch Tatarisch. Infolgedessen verdiente er ein so großes Vertrauen, dass der nicht mohamedanische Mann zur ärztlichen Behandlung selbst von tatarischen Frauen zugelassen war. Er hatte sogar sein Dienstsiegel mit der Überschrift „Tabib Fuchs“.
Fuchs bereiste mehrmals das Kasaner Gebiet als Wissenschaftler, als praktizierender Arzt und als Ethnograph. Karl Fuchs unternahm dort als erster in der europäischen Wissenschaft eine gründliche ethnographische Untersuchung.
Auch sehr tiefgründig studierte er die entsprechenden Probleme der Archäologie, der Geschichte und der Sprachwissenschaft. Und nicht zufällig kaufte er sein Haus an der Grenze des tatarischen und des russischen Stadtteils. Die veröffentlichte objektive Charakteristik vom Ethnos der Kasaner Tataren und ihrer nationalen Kultur trug zur Testigung der Freundschaftsbeziehungen zwischen Tataren und Russen wesentlich bei. Der Nebenfluss der Kasanka, der Bulak, trennte damals den tatarischen Stadtteil von dem russischen Stadtteil. Der Historiker N. I. Worobjow äußerte sich darüber bildhaft: „Fuchs gilt als einer der ersten Steine der Brücke über den Bulak, derer Mission ist es, das russische und das tatarische Volk durch die Bande der Freundschaft zu vereinen, ohne die innere Freiheit beider Völker anzugreifen“.
Auf seinen Forschungsreisen sammelte Karl Fuchs eine reiche orientalische Münzensammlung. Mit Recht gilt er als erster Sammler von Münzen der Goldenen Horde. Ch. M. Fren, der bekannte Orientalist, der Zeitgenosse und der Kollege von Fuchs, schätzte die numismatischen Forschungen von Karl Fjodorowitsch sehr hoch ein. Es ist bekannt, daß Fuchs 1829 über Alexander von Humboldt die Sammlung der bei den Ausgrabungen der uralten Stadt Bulgar gefundenen Münzen dem Kaisermuseum in Berlin als Geschenk übergab.
1823 wurde Fuchs vom Vizepräsidenten des Bergkollegiums, Senator W. J. Sojmonow, auf Zarenerlaß zur gemeinsamen Besichtigung der Sibirischen Bergwerke eingeladen. Fuchs war der erste, der dem Senator berichtete, dass das Uralgebirge eine unerschöpfliche Schatzkammer von Edelmetallen ist, deren Reichtümer die von Amerika weit übertreffen. Diese Idee wurde später von Humboldt übernommen.
Karl Fuch war auch ein sehr guter Publizist, einer der Gründer der Kasaner Presse. Er veröffentlichte die Ergebnisse seiner verschiedenartigen und zahlreichen Untersuchungen in der ersten durch seine unmittelbare Teilnahme und Unterstützung gegründeten Zeitung „Kasaner Nachrichten “ und in den ersten Kasaner Zeitschriften „Kasaner Bote“ und „Wolga-Ameise“. Ein ganz besonderes Interesse für einen wissbegierigen Leser stellte die Zeitschrift „Wolga-Ameise“, gegründet von den um Karl Fuchs vereinten Wissenschaftlern und Literaten, dar. Sehr lehrreich waren seine Beiträge wie „Der Gesundheitszustand der Einwohner von Kasan“ auf den Seiten der Zeitung „Kasaner Nachrichten“, seine Uraler Reiseskizzen wie „Reise durch den baschkirischen Ural“, „Über den Uraler Goldsand“, „Uraler Wälder“ in der Zeitschrift „Kasaner Bote“. 1824 veröffentlichte K. Fuchs das in Latein geschriebene Buch „Über Krankheiten der Hüttenarbeiter des Urals“. Das Licht der Welt erblickten auch zahlreiche ethnographische Skizzen von Karl Fuchs über die Völkerschaften des Wolgagebiets, zum Beispiel die aufschlussreiche, dem Tschuwaschenvolk gewidmete und in Form eines Briefwechsels mit seiner nicht minder wissbegierigen Ehegattin gehaltene Skizze „Reise von Kasan nach Tscheboksary“. Dasselbe publizistische Verfahren wendete er auch in seiner Arbeit „Reise von Kasan ins Gouvernement Nishni Nowgorod“ an. Ethnographische Skizzen wie „Tatarischer Gästeempfang“, „Kurban“, „Saban“, „Ramasan“, „Tatarisches Dschyn-Fest“ gingen in sein Buch „Die Kasaner Tataren in der statistischen und ethnographischen Hinsicht“ ein. Es ist unmöglich, hier das vollständige Verzeichnis seiner Bücher und seiner wissenschaftlichen Beiträge wegen seines großen Umfangs zu repräsentieren. Das sind sowohl „Kurze Geschichte der Stadt Kasan“, geschrieben unter Benutzung der tatarischen und russischen Chroniken, als auch eine große Anzahl anderer Arbeiten. 1828 erscheint die neue Zeitung „Beilage“ zu den „Kasaner Nachrichten“, an deren Herausgabe K. Fuchs aktiv mitwirkt. 1828-1829 lässt Karl Fuchs seine „Statistische Übersicht über alle im Kasaner Gouvernement befindlichen Werke und Fabriken“ in dieser Zeitung drucken.
Die historischen und ethnographischen Skizzen werden neu herausgegeben und werden auch heutzutage mit unvermindertem Interesse gelesen. Wenn auch Karl Fuchs sich weder für einen Schriftsteller noch für einen Journalisten hielt, können wir nach den vergangen mehr als anderthalb Jahrhunderten seine Arbeiten als einen unvergesslichen und bedeutsamen Beitrag zur wissenschaftlichen und kulturellen Entwicklung Russlands, seiner zweiten Heimat bewerten. „Durch seine Werke auf dem beruflichen Bereich und durch die Taten aus Menschenliebe“ zog Karl Fuchs die wohlwollende Aufmerksamkeit zweier Russlandsmonarchen auf sich: Alexanders des I. und Nikolais des I.
1819 wurde er mit dem Orden des Heiligen Wladimirs IV. Grades, 1829 mit dem Orden der Heiligen Anna II. Grades, und 1826 mit dem Diamantenschmuck zum letztgenannten Orden ausgezeichnet.
Bis zum letzten Atemzug unterbrach er seine wissenschaftliche Tätigkeit nicht. Nach Beendigung seiner Universitätstätigkeit widmete er sich mit Leib und Seele den ethnographischen und statistischen Untersuchungen der Region. Diese Arbeiten wurden auch sehr hoch eingeschätzt. Das Innenministerium, zu dem Karl Fuchs abkommandiert worden war, erwirkte für ihn dafür beim Monarchen den Titel eines wirklichen Staatsrats.
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Am 3. Juni 1821 heiratete Fuchs Alexandra Apechtina, eine Kasaner Adlige und Dichterin. Das Ehepaar machte seinen Wohnsitz zum Musik- und Dichtersalon. Ihr Haus in der Poperetschnaya-Tichwiner Straße wurde zum Zentrum des gesellschaftlich-kulturellen und intellektuellen Lebens von Kasan. Voll von einmaligen Sammlungen und einer bewundernswerten Bibliothek wurde dieses gastfreundliche Haus zum Anziehungsort für die Gelehrten und für die kunstbegeisterte Jugend.
Gern gesehen waren hier die Vertreter von verschiedenen Ständen und Gesellschaftsrängen wie der kirgisenkajssatzer (kasachischer) Chan Dschangir, der Verleger M. S. Rybuschkin, der Senator W. J. Sojmonow, der (trinksüchtige) Dichter G. N. Gorodtschaninow, der Orenburger Gouverneur, der Fürst G. S. Wolkonsky, ein ehemals leibeigener Maler L. D. Krjuckow, vornehme tatarische Kaufleute, wie auch Kaufleute aus Armenien und Buchara, Nonnen aus altgläubigen Einsiedeleien, Gymnasiasten... Seine umfangreichen Kenntnisse auf allen Bereichen zogen hervorragenden Persönlichkeiten an wie den finnischen Sprachwissenschaftler und Ethnograph Mattias Alexander Karsten, den preussischen hohen Beamten und Wirtschaftswissenschaftler Baron August Hackshausen, den russischen Staatsmann Graf M. M. Speranski, die berühmten russischen Dichter W. A. Schukowski, E. A. Boratynski und A. S. Puschkin, den deutschen Naturforscher, Geograph und Forschungsreisenden Alexander von Humboldt...
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Die letzten 4 Lebensjahre von Karl Fuchs waren für ihn sehr mühselig. 1842 wurden sein Arm und sein Bein gelähmt. Wenn er auch nicht so tatkräftig wie früher sein konnte, war der betagte Doktor oft in der Sprechstunde im Vorzimmer seines Hauses unter seinen zahlreichen Patienten anzutreffen. Er blieb lebensfroh und nett zu seinen Kranken. Anfang April 1846 litt er an Atemnot und am 24. April um 3 Uhr nachts schloss Karl Fuchs seine Augen für immer.
Am 26. April um 2 Uhr mittags begab sich der Trauerzug zur Totenmesse in die lutherische Kirche. Alt und jung, Tataren und Russen, mit einem Wort die ganze Stadt war auf den Beinen. Alle wollten dem tugendhaften Bürger von Kasan, Karl Fuchs ein letztes Geleit geben. Die anliegenden Straßen konnten die Vielzahl der dankbaren Einwohner von Kasan nicht fassen.
Die lutherische Kirche war zum Bersten voll. Die Totenmesse dauerte etwa 2 Stunden. Hunderte von Menschen außerhalb der Kirche warteten in Ehrfurcht, um den berühmten Mitbürger von Kasan bis ans Grab auf dem Arsker Friedhof zu geleiten und dadurch die ihm gebührende Ehre entgegenzubringen. Der von den Kasanern liebgewonnene und ins Herz geschlossene Sohn des fernen Herborns wurde auf dem lutherischen Friedhof am Arskoje Pole (am Arsker Feld) bestattet.
Ob Karl Fuchs Erben hatte? Leider starben dem Ehepaar Fuchs 4 Kinder. Sie bewahrten nur die sehr kränkliche Tochter Sofia.
Nach dem Tode ihres Mannes versuchte seine Frau, einige Zeitlang den von Karl Fuchs geformten Lebensstil beizubehalten. Aber nach der Heirat ihrer Tochter Sofia war sie gezwungen, ihr berühmtes Haus zu verkaufen, denn Sofias Mann, der Fähnrich D. Brylkyn (später diente er in einer Schiffsgesellschaft) erwies sich als Lebemann. Die Frau und die Tochter von Karl Fuchs wurden auch auf dem Arsker Friedhof von Kasan neben N. I. Lobatschewski, dem Rektor der Kasaner Universität und dem Gründer der nichteuklyder Geometrie begraben. Nach dem Tode von A. Fuchs wurden die Sammlungen und die Bibliothek von Karl Fuchs vom Schwiegersohn Brylkin verkauft. Deshalb gingen viele Handschriften und das Archiv von Karl Fuchs verloren. Die unbarmherzige Zeit ließ die Gestalt der hervorragenden Persönlichkeit aus dem Volksgedächtnis allmähnlich schwinden. Aber sie war nicht imstande, Karl Fuchs in Vergessenheit zu bringen.
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1896 fasst die Kasaner siebenstimmige Stadtduma zum 50. Todestag von Karl Fuchs den historischen Entschluss, sein Gedächtnis zu verewigen. Hier ist ein Auszug aus dem Protokoll N 6 der Sitzung der Kasaner Duma vom 24. April 1896.
II Das städtische Oberhaupt hat die Wissenschafts-, die Gesellschafts- und die Lehrtätigkeit des vor rund 50 Jahren verstorbenen Professors Karl Fuchs als eine wichtige und bedeutsame Tätigkeit für die Entwicklung der Stadt Kasan charakterisiert und vorgeschlagen, eine Gedenkminute zu halten. Nach der Gedenkminute hat die Duma auf Vorschlag des Oberhauptes der Stadt den Entschluss gefasst:
a) zum Gedenken an den verstorbenen Prof. Karl Fuchs die Poperetschnaja-Tichwinstrasse laut dem einzureichenden Gesuch in Fuchsstrasse umzubenennen;
b) die Verwaltung mit der Restaurierung des im baufälligen Zustand befindlichen Denkmals am Grabe von Karl Fjodorovitsch Fuchs, mit seiner Vergitterung und mit der Pflege dieses Denkmals aufs städtlische Konto zu beauftragen;
c) die Verwaltung mit der Anlegung eines Gartens in der Nähe der Poperetschnaja-Krassnaja-Strasse am hohen Ufer der Kasanka und mit der Einreichung eines Gesuchs um seine Benennung „der Fuchsgarten“ zu beauftragen. Zur Restaurierung des Denkmals und zur Gartenanlegung sind 600 Rubel auszugeben. Diese Summe ist von der Verwaltung in den zusätzlichen Kostenanschlag für das Jahr 1896 einzuschliessen.
Nationalarchiv der Republik Tatarstan, Band 98, Verzeichnis 3, Bewahrungseinheit 2179
Hier ist auch der Brieftext des Kasaner Gouverneurs ans städtlische Oberhaupt vom 18. Dezember 1896.
Herr Imperator hat aufgrund des untertänigsten Berichts des Innenministeriums am 23. November dieses Jahres durch Seine Hoheit geruht, laut dem Gesuch der Kasaner städtischen Duma der Poperetschno-Tichwiner Straße und dem anzulegenden Garten zur Verewigung des Namens des verstorbenen Professors der Kasaner Universität als Anerkennung seiner Wissenschafts-, Gesellschafts- und Lehrtätigkeit die Benennungen „die Fuchsstrasse“ und „der Fuchsgarten“ zu verleihen.
Ich habe die Ehre, über den vom Innenminiserium mitgeteilten Hoheitsbefehl vom 10. Dezember unter Nummer 1552 als Antwort auf das Gesuch N 5505 für weitere Verordnungen Eure Exellenz in Kenntnis zu setzen.
Nationalarchiv, Band 98, Verzeichnis 3, die Aktenschrift N 2213
Alle Entschlüsse der Kasaner Duma wurden Wirklichkeit. Am Grabe von Karl Fuchs errichtete man ein Denkmal in Form einer viereckigen Grabtafel, auf der sich eine zylinderartige, einen abgehauten Baum symbolisierende steinerne Säule erhöhte. Die Grabinschrift lautete: „Hier wurde der am 24. April 1846 verstorbene Karl Fuchs begraben“.
50 Jahre nach dem Tode von Karl Fuchs nahmen die städtischen Behörden zur Verewigung seines Gedächtnisses den Kontakt mit den Nachkommen von Karl Fuchs auf. In Archiven dieser Zeit wurden einzelne Auskünfte über die Enkelkinder von Karl Fuchs, J. D. Koschljakowa und A. D. und S. D. Brylkin ausfindig gemacht. Erhaltengeblieben ist auch der Briefwechsel des Kasaner städtischen Oberhauptes S. W. Djatschenko mit den Enkeln von Fuchs anlässlich der Jubiläumsfeier des Gelehrten und betreffs der der Enkelin Sinaida Brylkina zur Verfügung gestellten Geldunterstützung.
1896 ist auch durch noch ein interessantes Ereignis denkwürdig. In diesem Jahr wurde das Buch „Kurze Geschichte von Kasan“ von Karl Fuchs in der Allrussischen Ausstellung für Industrie und Wissenschaft in Nishni Nowgorod ausgestellt. Als ein wertvolles Andenken bewahrte man es in einem verschlossenen Futteral.
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Es vergingen noch hundert Jahre stürmischen Lebens der neuesten Geschichte. Das Grab von Karl Fuchs auf dem lutherischen Friedhof ist verlorengegangen. Die Fuchsstrasse wurde wieder umbenannt. Und die Umbenennung des Fuchsgartens war unter jenen Umständen auch möglich. Doch diesem deutlich gewordenen Trend zum Vergessen des Andenkens an diese grossartige Persönlichkeit sollte ein Ende gesetzt werden.
Dank der Perestroika in der UdSSR wurde der erste nationale Verein der Kasaner Deutschen, die Kasaner Gemeinschaft der deutschen Kultur, am 5. März 1991 im Rahmen der Gemeinde der Russlanddeutschen Kasans auf ihrer Stiftungsversammlung gegründet. Zugleich wurde auch die Organisationsstruktur der lutherischen Deutschen von Kasan wiederhergestellt. Am 4. Juni 1993 wurde die Kasaner Gemeinschaft der deutschen Kultur in die Deutsche Karl-Fuchs-Gemeinschaft zu Kasan umgebildet und von den Behörden Kasans am 1. Juni 1993 offiziell registriert.
Mit vereinten Kräften der Gemeinde der Russlanddeutschen von Kasan (der Deutschen Karl-Fuchs-Gemeinschaft) wurde wieder die öffentliche Aufmerksamkeit auf den größten Bürger von Kasan, Karl Fuchs gerichtet. Nach unseren zweijährigen und hartnäckigen Appellen unsererseits an die Stadt- und Republikleitung wurde das Gedächtnis von Karl Fuchs 100 Jahre später zum zweiten Mal verewigt.
Hier ein Auszug aus der Verordnung des Kasaner Amtsoberhauptes K. Isshakow vom 17. Juni 1996 über die Verewigung des Andenkens an Karl Fuchs:
1806-1846 lebte und wirkte der durch seine Werke über die Geschichte und das Leben der Tataren weit bekannte Gelehrte, Naturforscher, Arzt und Ethnograph hier in Kasan.
Verzeichnend den großen Beitrag von Karl Fuchs zur Entwicklung der Wissenschaft anlässlich des 220. Geburtstages (18.09.1776) und des 150. Todestages (24.04.1846) mit Rücksicht auf Vorschläge der Kulturverwaltung des Stadtamtes Kasans, der Deutschen Karl-Fuchs-Gemeinschaft zu Kasan und der Kasaner Staatlichen Universität, das Gedächtnis von Karl Fuchs zu verewigen, wird verordnet:
1. der Kommission für Namenskunde am Stadtamt Kasans (N. Hussnutdinow) alle Fragen in Betracht zu ziehen und die nötigen Dokumente:
1.1 über die offizielle Benennung des Gartens zwischen der Shukowsky-Straße und der Malaja-Krasnaja-Strasse als Fuchs-Garten, über die Errichtung des Karl-Fuchs-Denkmals;
1.2 über die Umbenennung einer Strasse Kasans in Karl-Fuchs-Strasse vorzubereiten.
2. der Kulturwaltung am Stadtamt Kasans (R. Tuchwatullin):
2.1 die Funktion eines Auftraggebers bei der Errichtung des Karl-Fuchs-Denkmals zu übernehmen;
2.2 bis zum 01.09.97 eine Gedenktafel herzustellen und ans Haus N 5/58 in der Galiaskar-Kamal-Straße mit dem folgenden Text in Tatarisch, Russisch und Deutsch anzubringen:
«Áó éîðòòà 1831-1846 åëëàðäà Êàçàííûí õîðìýòëå ãðàæäàíû, ãàëèì, òàáèá hýì ýòíîãðàô Êàðë Ôóêñ ÿøýäå hýì èæàò èòòå»
«Â ýòîì äîìå æèë è òâîðèë â 1831-1846 ãã. ïî÷¸òíûé ãðàæäàíèí Êàçàíè, ó÷åíûé, âðà÷ è ýòíîãðàô Êàðë Ôóêñ»
«Hier lebte und wirkte in den Jahren 1831-1846 Karl Fuchs – Ehrenbürger der Stadt Kasan, Gelehrter, Arzt und Ethnograph»
K. Isshakow
Die Verordnung des Amtsoberhauptes von Kasan ist heute in die Tat umgesetzt. Der Fuchs-Garten erhielt die Bestätigung seiner offiziellen Benennung, er wurde erweitert und verschönt. Und am 11. Dezember – am Tage der Unterzeichnung des Zarenerlasses über die Verewigung des Andenkens an Karl Fuchs in den Benennungen eines Gartens und einer Straße von Kasan 1896 – wurde das großartige Karl-Fuchs-Denkmal in Bronze von den Moskauer Bildhauern A. Balaschow und I. Koslow errichtet. Zum Gedenktag errichtete man auch eine Stele mit einem bronzenen Medaillon und der Überschrift „Karl Fuchs 1776-1846“ unweit seines wirklichen Grabes auf dem lutherischen Friedhof am Arskoje Pole und eine zentral gelegene Straße, die Gorodezky-Straße, wurde in Fuchsstrasse umbenannt.
Am 15.-16. Oktober 1996, am Vorabend dieser denkwürdigen Ereignisse fanden die feierlichen „Fuchs-Lesungen“ anlässlich des 220. Geburtstages und 150. Todestages von Karl Fuchs statt. Neben Kasaner Wissenschaftlern hielt Armin Geuß, Professor der Marburger Universität und eigens aus Deutschland gekommener Doktor für Medizingeschichte, ein sehr inhaltsreiches Referat. Im Museum für Geschichte der Kasaner Universität fand eine Ausstellung statt die dem Lebenswerk von Karl Fuchs gewidmet war. Am selben Tag, am 15. Oktober 1996, wurde die von dem Kasaner Bildhauer Kisslow nach Entwurf der Deutschen Karl-Fuchs-Gemeinschaft und durch deren Finanzierung hergestellte Gedenktafel mit einer dreisprachigen Inschrift in Deutsch, Russisch und Tatarisch (zum ersten Mal in der Geschichte) am Hause 5/58 in der Galiaskar-Kamal-Straße angebracht.
Zum 11. Dezember 1996 wurde das Sonderheft „Dem Gedächtnis des Prof. Karl Fuchs gewidmet“, das die Beiträge der obenerwähnten Konferenz erfasst (Verfasser und Redakteur G. A. Garsawina) herausgegeben. Dieses Heft ist das erste aus der Bücherreihe „Deutsche und Kasan“. Zur Zeit wird das zweite Buch „Deutsche Gelehrten-Professoren der Kasaner Universität“ von der Deutschen Karl-Fuchs-Gemeinschaft zu Kasan in Zusammenarbeit mit Frau Garsawina zum Druck vorbereitet. Wir hoffen auch, das Sonderheft „Dem Gedächtnis des Professors Karl Fuchs gewidmet“ zweisprachig (in Deutsch und Russisch) in guter polygraphischer Ausführung neu herauszugeben.
Ernst-Jörg von Studnitz, der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Russland und Wassilij Lichatschow, der ehemalige Vizespeaker des Oberhauses des russischen Parlaments waren Ehrengäste und Teilnehmer der Jubiläumsfeierlichkeiten. Diese Ehrengäste und M. Schajmijew, der Präsident der RT, K. Isshakow, der Bürgermeister Kasans, Siegfried Springer, der Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche des europäischen Teils Russlands, die Vertreter der niedersächsischen Partnerstadt Braunschweig und andere angesehene Persönlichkeiten von Kasan enthüllten das Denkmal von Karl Fuchs. Dieses denkwürdige Ereignis wurde von einer bizarren Feuerwerksphantasie begleitet. Jener ereignisreiche Tag wird im Gedächtnis nicht nur der Russlanddeutschen, sondern auch der auf Karl Fuchs stolzen Einwohner von Kasan seine nachhaltigen Spuren hinterlassen.
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Die Deutsche Karl-Fuchs-Gemeinschaft hat in diesen Jahren auf dem Bereich der vollwertigen Wiedergeburt des nationalkulturellen Lebens der deutschen Gemeinde viele guten Werke geleistet.
In erster Linie haben wir in Rahmen der lutherischen Gemeinde (verschiedene) auf die Lösung unserer Hauptaufgabe – die Rückgabe des Kirchengebäudes – gerichteten Initiativen und Handlungen vorgenommen. Den Ausgangspunkt bildete dabei die Benutzung der zurückgekehrten Kirchenräume als die materielle Basis für Wiederbelebung und Pflege des trotzalledem in Kasan überstandenen deutschen Geistes und darüber hinaus als geistiges und kulturelles Zentrum der Republik Tatarstan und der umliegenden Regione.
Unsere Gemeinschaft wurde zum Gründer des internationalen Vereins von Russlanddeutschen (IVRd) und der Landsmannschaft des Wolgagebiets (LWg), die die Handlungskoordinierung mit den Organisationen von Deutschen in ganz Russland beabsichtigt hatten. Als Nationalkulturelle Autonomie wurde die Karl-Fuchs-Gemeinschaft seit dem Gründungstag am 20. Dezember 1997 zum Bestandteil der Föderativen nationalkulturellen Autonomie von Russlanddeutschen.
Die Gemeinschaft wurde auch zum Kollektivmitglied der Assoziation der nationalkulturellen Gemeinschaften (später Organisationen genannt) der RT (ANKO RT). Seit den ersten Tagen der ANKO-Tätigkeit waren wir bestrebt, eine konstruktive und flexible Einstellung in der Bereitschaft zu vernünftigen Kompromissen einzunehmen. Und wir bestehen stets auf dem unpolitischen Charakter der Tätigkeit von der ANKO.
Deutsche Karl-Fuchs-Gemeinschaft trat als Gründer der am 6. Dezember 2001 gestifteten Allrussischen Assoziation der Gesellschaftsvereine von Russlanddeutschen auf, die den Namen „Gemeinschaft“ erhielt („Gemeinschaft“, Vorsitzender des Rates I.Becker).
Gemeinsam mit der Nationalkulturellen Wohltätigkeitsstiftung „Gedenken“ machten wir uns an die Verwirklichung des Hochschulbildungsprogramms für Russlanddeutsche. Dementsprechend wurde an der Fakultät für Philologie an der Kasaner Staatlichen Universität eine neue Fachrichtung „Literatur und Deutsch als Fremdsprache (DaF)“ eröffnet. Russlanddeutsche Jugendliche konnten auf die Geldmittel der „Gedenken“-Stiftung ihr Deutsch als Hauptfach vervollkommnen. An der Finanzierung des Studiums der russlanddeutschen Studenten nahmen mehrere Dutzend Geschäftsleute teil.
Gemeinsam mit der „Gedenken“-Stiftung wurde die Internationale wissenschaftlich-praktische Studentenkonferenz „Deutsche Sprache und Russlanddeutsche“ am 25.-28. Märze 1993 veranstaltet. An der Konferenz traten russlanddeutsche Studenten Kasachstans, Usbekistans, Grusiens und Russlands mit aktuellen Berichten auf.
Auf eigene Geldmittel gaben wir seit dem Herbst 1996 die republikanische Zeitung der internationalen Kommunikation „Unsere Zeitung“ heraus. Zum Hauptanliegen der Zeitung gehörte die Propagierung der Leistungen (oder der Sachverhalt) auf dem ethnokulturellen Bereich und in erster Linie der kleinen nationalen Gemeinden Tatarstans und der unermüdliche Aufruf zu harmonischen Verhältnissen in den internationalen Beziehungen.
Auf dem Arsker Friedhof von Kasan übernahmen wir die Verantwortung für die Pflege der deutschen Gräber. Wir haben für ihre Neuregisrierung Kosten getragen. Es wurde bereits zur Tradition, an den letzten Augusttagen ein kurzes Andenkengebet mit den angezündeten Kerzen auf den aufgeräumten deutschen Gräbern zu halten. Das steht im Zusammenhang mit dem alljährlich in unserer Gemeinde durchgeführten Gedenk- und Trauertag der Russlanddeutschen am 28. August (an diesem Tag wurde der Existenz der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Deutschen des Wolgagebiets kurzerhand ein Ende gemacht).
Die Sprachkurse in Deutsch werden fast seit zehn Jahren praktisch ununterbrochen durchgeführt. Seit 1997 leistet uns die deutsche wohltätige Organisation, die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) und das städtische Bildungsreferat ihre erhebliche Hilfe. In der ganzen Republik Tatarstan (Kasan, Nabereshnye Tschelny, Nishnekamsk, Almetjewsk und Bawly) wurden 2002 von uns 44 viermonatige Deutschkurse mit dem kostenfreien Unterricht für Tatarstaner von verschiedenen Nationalitäten organisiert (nicht nur für Russlanddeutsche). 2003 wurden 38 Deutschkurse durchgeführt.
Vorbereitet und durchgeführt wurde die Bilderausstellung der Kasaner Maler deutscher Abstammung: von Natalja Konstantinowna Bening (1964), Olga Fjodorowna Brening (1897-1976), Arnold Arnoldowitsch Brening (1922), Rudolf Arnoldowitsch Brening (1924), Oskar Bernhardowitsch Wiesel (1827-1908), Emil Oskarowitsch Wiesel (1866-1943), Alexandra Emiljewna Wiesel-Strauß (1866-1939), Alexandra Emiljewna Wiesel (1899-1974), Tatjana Emiljewna Wiesel (1904-1976), Andrej Oskarowitch Wiesel (1930), Natalja Alexandrowna Hammerbeck (1973), Ernst Brunowitsch Helms (1912-1993), Sergej Georgijewitsch Dietz (1965), Andrej Alexandrowitsch Wiesel (1964), Valery Alexandrowitsch Rung (1947), Emilij Ernstowitsch Sporius (1868-1933), Alexej Andrejewitsch Sporius (1930-1999), Vera Alexandrowna Scholpo (1902-1970).
Im Februar 2002 präsentierten wir im Ausstellungssaal des Gorky-Gedenkmuseum für Literatur (Kasan, Gorki-Straße, 10) die Fotoausstellung „Köln, Love Story“ vom bekannten Fotografen und Künstler, Farit Gubajew und anschließend (im März 2002) wurden seine Aufnahmen von hohem künstlerischen Wert im Russisch-Deutschen Haus Moskaus (Malaja Pirogowskaja, 5) auf unsere Initiative ausgestellt.
Am 13. April 2002 wurde von uns die Präsentation des zweisprachig (Deutsch, Russisch) herausgegebenen Buches „Schule des Vergessens“, die Sammlung von philosophischen Essays, von dem gegenwärtigen deutschen Schriftsteller und Dichter, dem Professor an der Leipziger Universität Dr. Elmar Schenkel veranstaltet. Daran nahmen zahlreiche Geistesschaffende von Kasan teil, die ein großes Interesse für deutsche Literatur und Kultur stets aufweisen und eine lebhalte Aussprache geführt haben.
Seit 12 Jahren begehen wir mit der ganzen Gemeinde alle Volks- und Religionsfeste und auch sonstige Feste des deutschen Volkes wie Advente, Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Erntedankfest, Muttertag, Tag der deutschen Wiedervereinigung, Deutsche Kulturtage und Wettbewerbe der Laienkunst von Tatarstandeutschen.
Wir haben Glück, deutsche Gäste beim Besuch von Tatarstan im Deutschen Haus der RT zu empfangen. Meistens kommen zu uns Journalisten, Geschäftsleute, Gesellschaftsfunktionäre, die Vertreter der Religion und andere Persönlichkeiten. Am 15. Juli 2003 ehrte der Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter Deutschlands in Russland Herr von Plötz unsere Gemeinde mit seinem hohen Besuch.
Am 4. Juli 2003 fand die Gründungsversammlung des Jugendklubs an Deutschem Haus der RT, der von den vorangehenden Organisationen der Russlanddeutschen stammt, statt. Auf seinem Programm stehen regelmäßige deutschsprachige Kommunikation von Jugendlichen der Stadt, gemeinsame Konzert-, Museum-, und Theaterbesuche, Ausflüge, die Weiterentwicklung der allseitigen Beziehungen zu anderen Jugendorganisationen sowohl im In-, als auch im Ausland. Die junge Generation ist unsere Zukunft, und gerade deshalb setzen wir große Hoffnungen auf die Tätigkeit des Jugendklubs an Deutschem Haus der RT.
Vorsitzender der Deutschen Karl-Fuchs-Gemeinschaft zu Kasan,
Vorsitzender des Propsteirates Tatarstan
der Evangelisch-lutherischen Kirche europäisches Russland,
Direktor des Deutschen Hauses der Republik Tatarstan
Victor Dietz
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